Hinter dem Fenster
Sep 13th, 2010 by Andree
Der folgende Text liegt schon seit Jahren in meiner Schreibtischschublade. Er wurde ca. 2004 verfasst. Er skiziert ein Bild der Gesellschaft. Ich fand dies sehr beeindruckend und teile die Ansichten absolut. Leider konnte ich weder Autor noch Quelle ausfindig machen, aber ich finde er hat seinen Platz verdient.
“Es ist so schön hinter dem Fenster in meinem Zimmer. Dort tummelt sich das Leben, ist die Straße mit ihren Geschäften und vor allem den vielen Menschen. Manchmal will ich mich vor ihnen verstecken. Verschanze mich regelrecht in meinem Zimmer, gehe nicht mehr raus. Dabei ist dort das Leben, hinter dem Fenster.
Es müsste moderne Tempel und Klöster geben, denke ich. Mehr Orte an denen es einfach mal ruhig ist. Wo der Geist zur Ruhe kommen kann und das ständige Hintergrundrauschen der Gedanken verstummt. Der Dalai Lama hat mal gesagt, dass es 20 Jahre Meditation braucht, um die wirkliche Ruhe überhaupt ansatzweise zu finden. Möchte irgendwer glauben dass er Recht hat? Wir brauchen wohl auch irgendwie unseren Lärm, unseren Stress, unsere tägliche Jagd in der Stadt und den Austausch der menschlichen Energie. Es gibt z. B. viele Menschen mit schlechter Laune, bestimmt auch in deiner Umgebung. Das sind die Negativen.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die ganze negative Energie der Menschen nur deshalb existiert, weil negative Energie immer noch besser ist als gar keine. Deshalb ist es so wichtig seine positive Energie zu schulen und zu entwickeln. Nur aus Bösem kann man Gutes machen, heißt es doch so schön und von diesem Bösen gibt es auf der Strasse genug. Für einen Negativen scheint der Weg zu positiven Energie ganz oft verbaut durch das mit Ängsten und Wut erfüllte Selbst. Es gibt aber auch viele Menschen die sich mit dem System angefreundet haben. Die Angepassten.
Die Angepassten versuchen sich nach der Norm zu verhalten. Da diese Norm ständiger Veränderung ausgesetzt ist, die hauptsächlich durch Konzerne ausgeübt wird, werden die Angepassten nie ein persönliches Ziel erreichen, da ihre Persönlichkeit hauptsächlich durch die aktuelle Norm erklärt werden kann, welche aus immer neuem Konsum besteht. Besonders schlimm ist dieses Phänomen bei den aktuellen Massenmedien. Die Junknews kommen und gehen, nichts ist älter als die Schlagzeile von Gestern. Diese Medien prägen das Bild der Welt sehr stark. Die Wahrheit wird ganz langsam ausgeblendet, jeden Tag ein Stück. Die Angepassten glauben auch fast alles was in der Zeitung steht, weil sie nicht einmal die ausreichende negative Energie haben um sich über Lügen aufzuregen. Nicht vergessen darf man die Liebenden in einer Stadt. Die kleinen und großen Lichtwesen, die gerade Frieden, Freude oder sogar Erleuchtung fühlen. Die frisch Verliebten mit ihren klopfenden Herzen. Die Hoffnungsvollen, Harmonischen, Inspirierten, die einem begegnen können. Sie wirken ansteckend, wenn man sich auf sie einlässt und sind der wahre Schatz der Strasse.
Die Stadt hinter dem Fenster ist voll mit solchen Menschen, und ich lasse mich anstecken, nehme Kontakt auf. Die Stadt beinhaltet auch die Geister der Vergangenheit. An jeder Ecke kannst Du einem von ihnen begegnen. Die Vergessenen leben mitten in den Konsumtempeln, wenn sie noch nicht aus diesem künstlichen Paradies vertrieben wurden. Standesgemäß haben diese Zeitgenossen Plastiktüten dabei. Auch sie haben ihre Geschichten zu erzählen, einen Weg hinter sich, man muss nur Zeit haben zuzuhören. Hinter dem Fenster ist das Leben ein schreiendes Baby das Qualen leidet, ein funkelnder Diamant der Klarheit. Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann muss ich mich entscheiden.
Zwischen der Dunkelheit und dem Licht, ständig und immer wieder…”
Bild: R. Sturm/pixelio.de