Bushido Sarrazin
Dez 19th, 2010 by Andree
Auch wenn die Debatte um Thilo Sarrazin und dessen Inhalte nicht vorbei ist, kann man doch sagen, dass die Medien das Thema zurückgeschraubt haben. Diesen Zeitpunkt möchte ich nutzen, um meinen Beitrag hierzu zu formulieren. Vor wenigen Monaten wäre dies einer von vielen gewesen, jetzt wird er mit distanziertem Blick vielleicht anders betrachtet. Der neuerliche Auftritt Sarrazins in der Stuckrad Late Night Show (zdfneo, 16.12.2010) rief mir einen früheren Auftritt in selbiger Show in Erinnerung: Es ist der Auftritt Sarrazins bei Stuckrad-Barre im Juni, der unter anderem auch von einem gewissen Herrn Niggemeier gesehen und bewertet worden ist. Die folgenden hier gewählten Worte finde ich zutreffend:
Es ist ein erstaunliches Dokument – auch dafür, wie unterhaltsam und erkenntnisstiftend eine solche Show mit dem ununterbrochen zwischen sinnloser Albernheit und genialer Wachheit flackernden Stuckrad-Barre sein kann.
Ich finde gar, dass die “geniale Wachheit” überwiegt und die Albernheiten nicht immer sinnlos sind, aber Stuckrad-Barre trifft sicherlich nicht den Geschmack eines jeden. Da ist er mit seinem Gesprächspartner auf einem Level. Auch Sarrazin schwankt zwischen korrekten Thesen und Fakten und dünnen und sinnlosen Argumenten. Dieses Urteil erlaube ich mir – auch ohne das Buch vollständig gelesen zu haben.
Sarrazin zeigt mit seinem Auftritt Mut und schlägt sich recht wacker in dem Gespräch, aus welchem er eigentlich nur als Verlierer gehen konnte. Doch die Tatsache, dass er Stuckrad-Barre im “Wer bin ich?-Spiel” Joseph Göbbels auf die Stirn klebt zeigt, dass er sich durchaus bewusst um seine Lage ist. Sein Buch hat – bewusst oder unbewusst – provoziert und dieses Mittel setzt er weiter ein. Es ist doch reine Provokation diese Person zu wählen. Die Erwähnung von Personen aus dem NS-Regime sorgt immer für Aufmerksamkeit. Viele sehen sich mit dieser Wahl bestätigt, die Sarrazin in diese politische Richtung drängen wollen. Doch es bewegt sich im Rahmen eines Spiels, was dem Ganzen die meiste Substanz nimmt. Sarrazin treibt sein Provokatios-Spiel weiter und betitelt Göbbels als Mann, der “sehr gut mit Worten” und ein “Menschenverführer” war. Sarrazin hätte mit diesen Worten auch jemand anderes betiteln und für das Spiel wählen können, den obersten Vorgesetzten Göbbels – aber das fand er dann wohl auch zu provokativ, zeigt allerdings wie klar sich Sarrazin um seine Situation war.
Bei seinem jüngsten Auftritt wählte er “Mahatma Gand(h)i” aus, der von Stuckrad-Barre erfragt werden sollte. Sicherlich auch eine diskutable Person, aber sicherlich nicht auf dem Niveau von Joseph Göbbels und nicht so provokant. Nun kann man darüber streiten, warum. Vielleicht hat er durch die ständige Medienpräsenz den Mut verloren, vielleicht hat der Sender ihn gezüchtigt, vielleicht wollte er zeigen, dass er auch anders kann, vielleicht viel ihm einfach nichts besseres ein. Ich denke Sarrazin hat es einfach nicht mehr nötig derart zu provozieren. Sein Buch machte ihn zum Millionär. Stuckrad-Barre klebte in der älteren Show BUSHIDO auf die Stirn Sarrazins. Sicherlich auch provozierend, aber in erster Linie ironisch. Diese Ironie trieb er jüngst auf die Spitze, indem er Bushido aus Sarrazins Buch vorlesen lässt und das komplette Buch als Hörbuch – eingelesen von Bushido – verschenkt. Wo wir wieder bei der genialen Wachheit wären:
Der gesamte Auftritt vom Juni ist hier zu sehen:
Thilo Sarrazin in der Stuckrad Late Night Show – Teil 1
Thilo Sarrazin in der Stuckrad Late Night Show – Teil 2
Thilo Sarrazin in der Stuckrad Late Night Show – Teil 3
Thilo Sarrazin in der Stuckrad Late Night Show – Teil 4
Der Auftritt vom Dezember ist hier zu sehen:
Thilo Sarrazin in der Stuckrad Late Night Show (16.12.2010)






